Was ist Mode?
Man kann Mode zelebrieren und dabei viel Zeit verlieren, sich von ihr tyrannisieren und drangsalieren lassen, sich mit ihr schmücken oder sie auch einfach ignorieren – wobei man ihr damit natürlich genau die Aufmerksamkeit schenkt, die man vermeiden wollte. Man kann sich darüber grämen, wie viel Geld man schon für sie ausgegeben hat oder bereuen, genau das eine Teil nicht gekauft zu haben. Man kann auf ein besonders schönes Stück neidisch sein oder sich das Maul über jemanden zerreißen, der – wie man meint – unmöglich angezogen ist. Man schmeißt Kleider weg, verschenkt sie, man kauft Sachen, die man nie anzieht, spendet sie der Wohlfahrt, friert oder schwitzt in ihnen, fühlt sich unwohl oder wie neu geboren, freut sich wie ein kleines Kind über das eben erworbene Gewand oder denkt mit Grauen an vergangene Modesünden zurück, nur um sie ein paar Jahre später in einem so genannten Revival wieder anzuziehen. Man möchte Individualist sein, dabei aber nicht zu sehr auffallen, und wundert sich dann aber trotzdem, warum niemand einem hinterherschaut, obwohl man McQueen Armadillos an den Füssen trägt. Man kann gar nicht genug Klamotten haben und stöhnt gleichzeitig, dass man im Schrank für all das Zeug keinen Platz mehr findet. Sieht man sie oft genug in Modeblättern, gewöhnt man sich an Stile, die man noch in der letzten Saison als untragbar verlacht hätte. Ja, Mode ist unberechenbar und launisch, schizophren und renitent, nervig und einschüchternd, oft massentauglich und selten individualistisch, immer aber unterhaltsam und spannend – sie bleibt eine ewige Herausforderung.




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